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Ohne Kniffe konnte das Bier nicht gebraut werden, ein NEIPA

Aktualisiert: 19. Mai

So viel Hopfen bekommt vermutlich kein Bier einer deutschen Brauerei, insofern es in größerem Maßstab gebraut wird.


Das Siegerbier der Deutschen Hobbybrauermeisterschaften


Die Störtebeker Braumanufaktur in Stralsund veranstaltet jedes Jahr die Deutschen Meisterschaften der Hobbybrauer. Das Siegerbier wird dann im folgenden Jahr in großem Maßstab gebraut. Dabei hält sich die Brauerei möglichst exakt an das Braurezept des Siegers.

Der Bierstil der Deutschen Meisterschaften der Hobbybrauer 2023 war New England IPA. So kam extrem viel Hopfen in die Kessel und Tanks in Stralsund und ein superleckeres, hopfenbetontes und gut trinkbares New England IPA (NEIPA) raus.


Bierflaschen in den Dünen
Das New Engalnd IPA - der Siegersud der Deutschen Meisterschaften der Hobbybrauer 2023, gebraut von der Störtebeker Braumanufaktur (Foto: BIERgenial)

Drei Mal wurden Sude des Siegerbieres im großen Maßstab in der Hansestadt gebraut. Der Gewinner, Johannes Landwehr aus dem Landkreis Würzburg, war beim ersten Mal selbst mit beteiligt. Jüngst wurde der letzte Sud abgefüllt. Das ergab rund 120.000 Flaschen 0,5 Liter. Diese sind mittlerweile im Lebensmittelhandel fast ausschließlich in 4er-Trägern erhältlich. Und dass, zu einer sagenhaft günstigen UVP von 7,49€.



Sudhaus der Störtebeker
Blick in das Sudhaus von Störtebeker beim Brauen des NEIPA (Foto: BIERgenial)

Damit das Bier entstehen konnte mussten zwei technologische Probleme gelöst werden.

 

Im Braurezept von Johannes Landwehr finden sich insgesamt 5,6 Kilogramm von drei verschiedenem Malzen und 2,4 Kilogramm von Hafer- und Weizenflocken auf 32 Liter Wasser. Weiterhin benötigt er 500 Gramm Hopfen, verteilt auf einzelne Stufen im Brauprozess. Für den Laien klingt das vermutlich normal, aber die Schwierigkeiten ergeben sich aus den Zutaten. 


Hafer- und Weizenflocken haben keine Spelzen


Hand mit Malzkorn
Malzkorn - gut erkennbar der Mehlkörper und die Spelzen (Foto: BIERgenial)

Der hohe Anteil der Hafer- und Weizenflocken im Verhältnis zu den eigesetzten Getreidemalzen machte den Brauvorgang schwierig. Damit war die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der Vorgang des Läuterns des Sudes nicht in akzeptabler Zeit oder überhaupt nicht gelingt. (Details zum Läutern am Ende.) 


Haferflocken auf einer Hand gequetscht
Haferflocken haben keine Spelzen und werden gequetscht und nicht geschrotet (Foto: BIERgenial)

Daher hatten sich die Störtebeker Brauer dafür entschieden, Bruchspelzen zuzugeben, um die Maische wie gewohnt als eine Art Filter nutzen zu können. Bruchspelzen werden, in Stralsund bei allen anderen Bieren bei der Gabe des Malzes in die Kessel abgesaugt, da diese nicht benötigt werden. Jetzt wurde also dieser „Malzabfall“ zu einem nützlichen Hilfsstoff und wurde aus Säcken per Hand zugegeben. Ab dem zweiten Sud wurde so gearbeitet.


Auch die Zutat Hopfen bereitete bei diesem Sud Probleme


Verwendet wurden die sehr aromatischen Hopfensorte Callista aus Deutschland und die aus Neuseeland stammende Sorte Nelsen Sauvin. Die gemäß Braurezept verwendete Menge wurde auf die Anlage bei Störtebeker skaliert. Für das NEIPA sollten es somit, für 10.000 Liter Wasser 140 Kilogramm Hopfen im sogenannten Heißbereich sein. Diese Menge zu klären, schafft der Whirlpool von Störtebeker nicht. Zum Vergleich, bei dem hopfenintensiven Atlatik-Ale von Störtebeker, einem ähnlichen Bier, werden im Heißbereich etwa 30 Kilogramm Hopfen eingesetzt. (Details zum Whirlpool am Ende.) 

Um das NEIPA produzieren zu können, entschieden sich die Brauer diese Hopfenmenge von 140 Kilogramm auf zwei Gaben aufzuteilen.


Hopfenpellets in Tüten
Der Hopfen für die zweite Hopfengabe im Heißbereich, je Tüte 5 Kilogamm (Foto: BIERgenial)

Die Würze mit der ersten Hopfengabe wurde nach der geplanten Kochzeit wie üblich zum Klären in den Whirlpool gepumpt. Vor der zweiten Hopfengabe im Heißbereich ging es ungewöhnlich zu. Mittels eingesprühten Kaltwassers wurde der Kessel abgekühlt. Diese Arbeit erfolgte von Hand, da diese sonst nicht vorgesehen ist.


Kessel, Mann mit Wasserstrahl
Der Kessel wird mit kaltem Wasser abgekühlt, damit sich der Hopfen wohlfühl (Foto: BIERgenial)

Mittels dieser Abkühlung sollte verhindert werden, dass die Aromen des Hopfens durch die Hitze am Kesselboden beschädigt werden oder sich gar verflüchtigen. Erst danach wurde der sehr aromatische Hopfen vorgelegt und die zirka 80 Grad heiße Würze wieder in den Kessel gepumpt. Nach einer Einwirkzeit von zirka fünfzehn Minuten wurde der Sud wieder in den Whirlpool gepumpt und danach ging es wie gewohnt weiter.



Mann mit Tüte in einer Brauerei
Braumeister Christoph Puttnies (Leiter Projekte) bei der zweiten Hopfengabe im Heißbereich (Foto: BIERgenial)

Es war schon ein besonderer Tag für die Beteiligten und nicht nur für BIERgenial. Interessant diese Transformation, von klein auf riesig, erleben zu können. Es wäre noch viel mehr zu erzählen, von den Fachbegriffen und dem, was im großen Maßstab anders ist. Vom Steinausleser beispielsweise haben sicher noch nicht viele gehört. Dazu in einem anderen Beitrag vielleicht einmal mehr. 


Mann mit Kerton
Die besondere Stimmung des Tages, die Feude war Braumeister Christoph Puttnies (Leiter Projekte) super anzumerken (Foto: BIERgenial)

Wer den Geschmack des New England IPAs selbst erleben möchte, kann die limitierte Brauspezialität jetzt in vielen Verkaufsstellen in ganz Deutschland oder im Störtebeker Online-Shop erwerben.


Weitere Details zum Bier sind auf den Internetseiten der Störtebeker Braumanufaktur zu finden. Außerdem wird es im Trainigslager zu den diesjährigen Hobbybrauermeisterschaften vertreten sein. Und wie in den letzten Jahren, wird der Siegersud auch zur diesjährigen Meisterschaft am 07. September ausgeschenkt werden. Beste Gelegenheit dazu vor Ort zu fachsimpeln.


Zum Läuten

eines Sudes, also zum Trennen der Maische in flüssige und feste Bestandteile, nutzen die Brauer einen Boden in der Art eines großen flachen Siebes. Auf diesen lagern sich die festen Bestandteile, die abgeschieden werden sollen, ab. Zusätzlich helfen die Spelzen der Malzkörner. Das sind die feinen Hüllen, die jedes Getreidekorn einpacken und zum größten Teil noch an den Malzkörnern haften. Dadurch das diese relativ stabil bleiben, entstehen aus allen ungelösten Bestandteilen ein Filter auf dem Filterboden, mit unzähligen kleinen Hohlräumen. Durch diese kann die Flüssigkeit den gewünschten Weg nehmen und diese Masse wirkt wie ein Filter.

 

Der Whirlpool

ist in den Brauereien ein rundes Gefäß, in das die heiße Würze seitlich mit hohem Druck einströmt. Dadurch rotiert die gesamte Flüssigkeit und mit der Zeit setzt sich in der Mitte ein Kegel von Stoffen ab, die entfernt werden sollen.




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