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Pilsen – ein Ort der Bier - Geschichte(n)

Vor wenigen Tagen besuchten Verbandsmitglieder des Verbandes der Diplom-Biersommeliers Pilsen (Plzeň), den Geburtsort des Bierstils Pilsner. Die Eindrücke dieser Reise sind Anregung für diese Einblicke und gleichzeitig eine Reisempfehlung.


Bier zapfen nach Art von Pilsner Urquell (Fotos / Montage: BIERgenial)

Bier zapfen nach Art von Pilsner Urquell kann man vor Ort lernen (Fotos / Montage: BIERgenial)


Pilsen ist ein Ort erlebbarer Bier-Geschichte(n).


Vielen Biergenießern ist es bekannt, dass in dieser Stadt 1842 erstmals ein Bier gebraut wurde, was wir heute als „Pilsner Urquell“ kennen. Doch was passierte davor, in den Jahren danach und bis heute?


Reise zum Bier ins heutige Tschechien


Fragen genug, um sich einmal eine Reise nach dem heutigen Tschechien zu begeben und die Faszination der Geschichte zu erleben. Auch wenn das Bier lockt, ein Besuch des Brauereimuseums ist der ideale Einstieg in die Bierwelt von Pilsen.


Brauereimuseum in Pilsen


Dieses befindet sich in der Altstadt und unweit der Brauerei. Einsteigen kann man hier auch in die historischen Keller unter der Stadt. Im Museum erfährt man in einzigartiger und anschaulicher Weise wie früher Bier entstand. Gezeigt werden unter anderem lebensnahe Nachbildungen von Mälzerei, Darre, Schwelkraum, Bierlabor und Pilsner Kneipe. Eine solche Ausstellung existiert in Tschechien an keinem anderen Ort. Die anschaulichen Darstellungen lassen die alte Zeit förmlich wieder aufleben.

Einblicke in das Brauereimuseum von Pilsen (Fotos / Montage: BIERgenial)

Einblicke in das Brauereimuseum von Pilsen (Fotos / Montage: BIERgenial)


Bierbrauen in vorindustrieller Zeit


Über das Braurecht verfügten über zweihundertfünfzig Bürgerhäuser. Die Biere waren von schwankender Qualität. Dies führte dazu, dass der Stadtrat einmal dreißig Fass Bier vernichten ließ. Letztendlich beschlossen die brauberechtigten Bürger 1839 gemeinsam das „Bürgerliche Brauhaus“ errichten zu lassen.


Die Wiege des Pilsner-Biers


Zu dieser Zeit gehörte Pilsen zur österreichisch-ungarischen Monarchie. Verbindungen nach Deutschland bestanden in vielfältiger Form und bayrisches Bier genoss einen guten Ruf. In der neuen Brauerei sollte ausschließlich untergäriges Bier hergestellt werden, da dies wegen seiner Brauweise länger lagerfähig war. Das war eine totale Veränderung. Bisher war nur das sogenannte „Oberhefenbier“ gebraut worden. So wundert es kaum, dass viele Anregungen zur Bauweise und Ausstattung der Brauerei, sowie letztendlich zum Brauverfahren gezielt gesucht und in Pilsen zu Neuem vereint wurden.


Das neue Bier


Das Bürgerliche Brauhaus verpflichtete den Brauer Joseph Grolls aus Vilshofen in Bayern, da er die untergärige Brauweise beherrschte. Erlernt hatte er diese von seinem Vater.  Dieser war Brauereibesitzer und Bierbrauer und hatte lange an der Rezeptur eines untergärigen Biers experimentiert.


Das neue Bier, dass am 05.10.1842 erstmals eingebraut wurde, veränderte die Bierwelt.


Das Bürgerliche Brauhaus nutzte das am Ort vorkommende weichen, sehr salzarmen Wasser und anstelle des zuvor gebräuchlichen dunklen Malzes wurde nur leicht gedarrtes, sehr helles Malz verwendet. Hinzu kam ausschließ der regionale Saazer Hopfen. Daraus entstanden ein charakteristischer Geschmack und die typische goldgelbe Farbe. Das Bier nannte der erst 29 Jahre alten Groll „Urquell“.


Historische Elemente des Brauprozesses in den Kellern von Pilsner Urquell (Fotos / Montage: BIERgenial)

Historische Elemente des Brauprozesses in den Kellern von Pilsner Urquell (Fotos / Montage: BIERgenial)


Am 11. November 1842 wurde es erstmals in drei Pilsener Gasthöfen ausgeschenkt. Das Bier kam so gut an, dass das Bürgerliche Brauhaus kontinuierlich erweitert werden musste. Die Erfolge der neuen Pilsner Biere trugen wesentlich dazu bei, dass die untergärige Brauart zur bevorzugten Methode in Europa wurde.


In Pilsen entstand nicht nur eine industrielle Brauerei


Letztendlich entstanden bis 1910 in Pilsen vier große industrielle Brauereiunternehmen. Im Brauereimuseum wird deren Geschichte gleichberechtigt präsentiert. Alle vier erreichten in kürzester Zeit beachtliche Ausstoßmenge. Der erste Weltkrieg und seine Auswirkungen führte zu deutlichen Verwerfungen. Ende der 20er und Anfang der 30er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts hatte das Bürgerliche Brauhaus alle Pilsner Brauereien unter seine Kontrolle gebracht. In den 30er Jahren dieses Jahrhunderts entstand neben dem Bürgerlichen Brauhaus die Pilsner Aktienbrauerei, dessen Mehrheitseigner wiederum das Bürgerliche Brauhaus war.


Vier verschiedene Materialen in der Geschichte des Bierbrauens (Fotos / Montage: BIERgenial)

Vier verschiedene Materialen in der Geschichte des Bierbrauens (Fotos / Montage: BIERgenial)


Zwei Brauereien auf einer Fläche von 55 Hektar


Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Brauerei des Bürgerlichen Brauhaus mit der jüngeren Brauerei Gambrinus vereint und unter dem Namen Pilsener Brauereien verstaatlicht. Beide Braustätten produzieren bis heute die jeweiligen Biere. Pilsner Urquell gehört heute zum japanischen Asahi-Konzern.


Impressionen von der Pilsner Urquell Welt in Pilsen (Fotos / Montage: BIERgenial)

Impressionen von der Pilsner Urquell Welt in Pilsen (Fotos / Montage: BIERgenial)

Impressionen von der Pilsner Urquell Welt in Pilsen (Fotos / Montage: BIERgenial)


Die Erlebniswelt von Pilsner Urquell


Unter Führung der Marke „Pilsner Urquell“ wird das riesige Brauereigelände heute weitestgehend in die Brauereibesichtigungen eingebunden. Mit einem Busshuttle gelangen die Gruppen sicher zu diesen Orten.

Ein modernes Besucherzentrum, der alte Wasserturm sowie historisches und modernes Brauhaus sind einige Stationen der Besichtigungstouren.


Lange unterirdische Tunnel


Einer der beliebtesten Teile der Tour findet in einem Teil der neun Kilometer langen unterirdischen Tunneln statt, die seit 1842 das Herzstück der Brauerei sind. Ein anschaulicher Teil ist für Besucher im Rahmen der Führungen, mit historischen Elementen des Brauprozesses, zugänglich. In diesen Kellern wird Pilsner Urquell wie zu Zeiten von Josef Groll fermentiert und gelagert. Dieses ungefilterte, nicht pasteurisierte goldene Lagerbier wird vor Ort für die Besucher gezwickelt. Lecker.


Erlebnis – Stadt Plzeň


Wieder zurück am Tageslicht lockt ein großer brauereieigener Shop mit einer Vielzahl an Fanartikeln, Gastronomie im Brauereigelände, die Stadt mit ihrer Geschichte und die tschechische Kneipen- und Gaststättenkultur. In der Stadt bekommt man nicht nur unpasteurisiertes Gambrinus und zum Teil unfiltriertes Pilsner Urquell, sondern mit ein wenig Glück, die Craftbiere der Marke „broud“.


Bei regulären Führungen nicht zugänglich


Einblicke in die verborgene Welt von "proud" (Fotos / Montage: BIERgenial)

Einblicke in die verborgene Welt von "proud" (Fotos / Montage: BIERgenial)


Die Marke „proud“ wird auf dem Gelände von Pilsner Urquell in dem ehemaligen Maschinenhaus in einer kleinen hochmodernen Brauerei gebraut. Diese wird bei regulären Führungen nicht gezeigt. Ebenso ist es mit der brauereieigenen Böttcherei. Nach bekunden der Brauerei ist sie die Einzige in Europa, die noch Böttcher angestellt hat und mehrfach im Jahr große Holzfässer für Bier herstellt. Das Jahr über werden viele alte Fässer repariert und kleinere Fässer, Krüge und andere Holzelemente produziert. Wir durften diese Bereiche besuchen und die Fotos geben Einblicke in diese „verborgene Welt“.


In der Böttcherei von Pilsner Urquell (Fotos / Montage: BIERgenial)

In der Böttcherei von Pilsner Urquell (Fotos / Montage: BIERgenial)


Zapfkurse nach Art von Pilsner Urquell


Und wer noch mehr in Pilsen zum Thema Bier erleben möchte, für Interessierte und Fachpublikum bietet die Brauerei Zapfkurse nach Art von Pilsner Urquell an. Getreu dem Brauereimotto "Der Braumeister braut das Bier, aber der Zapfmeister macht das Bier". Vom Profi und in den Gaststätten mit Pilsner Urquell wird nach Hladinka, Šnyt und Mlíko unterschieden. Zapfstile die nur mit einem besonderen Zapfhahn möglich sind. In Deutschland bekommt man diese auch in Gaststätten mit Pilsner Urquell Tankbier.


Übrigens, wenn man bei der Stadttour die Bezeichnung „Plzeňský Prazdroj“ entdeckt, heißt das nichts anderes als, Pilsner Urquell auf Tschechisch.


Mitglieder des Verbandes der Diplom-Biersommeliers bei Pilsner Urquell (Fotos / Montage: BIERgenial)

Mitglieder des Verbandes der Diplom-Biersommeliers bei Pilsner Urquell (Foto: BIERgenial)


Die Reise nach Pilsen wurde mit tatkräftiger Unterstützung von Pilsner Urquell durch die Sektionen Deutschland Ost und Bayern Nord im Verband der Diplom-Biersommeliers organisiert.


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